Wir werden uns wiedersehen

Teil 2 der Serie: Alles, was vor der Pandemie gut funktionierte, wird wiederkommen und die Dinge, die sich während Corona bewährt haben, kommen hinzu.

„Ich denke, es ist ein bisschen zu früh für konkrete Vorhersagen. Wir sind noch mitten in der Krise, suchen noch Schutz bei uns zu Hause. Solange wir nicht das wirkliche Ausmaß dieser Tragödie kennen – in sozialer und in wirtschaftlicher Hinsicht – ist es verfrüht, endgültige Schlüsse für ein Design nach Corona zu ziehen. Allerdings glaube ich schon, dass wir diesbezüglich bereits jetzt einige Schwerpunkte für die Zukunft benennen können. 

Nach meiner Einschätzung, müssen Arbeitsplätze in Zukunft mehr Wahlmöglichkeiten bieten als bisher. O+A´s Ansatz war immer schon der, Menschen Optionen innerhalb des Büros zu schaffen – unterschiedliche Formen von Arbeitsplätzen für Gruppenarbeit und unterschiedliche Arbeitsplätze für individuelles Arbeiten.

Ich denke, diese Krise beschleunigt diesen Trend und manifestiert ihn auch außerhalb der Wände unserer Offices. Nehmen wir das Thema Home Office: Viele Leute, die damit bislang keine Erfahrung hatten, stellen fest: „Hey, das funktioniert für mich.“ Corona befördert uns gewissermaßen mit Siebenmeilenstiefeln in die Zukunft. Wahrscheinlich wird der Komplex Home Office ein gewaltiger Faktor der Arbeitsplatzgestaltung von morgen sein.

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite wird es nach dem Ende der erzwungenen Vereinzelung ein steigendes Bedürfnis geben, wieder zusammenzukommen. Wie sagte die Queen noch so schön? „Wir werden uns wiedersehen.“ Menschen werden sich wieder gegenübersitzen wollen. Vielleicht ist die Zeit des Händeschüttelns tatsächlich vorbei, aber das gilt sicher nicht für Verabredungen zum Lunch mit Freunden oder Kollegen. Sich gemeinsam in einem Raum zu treffen und dort zusammen Probleme zu lösen – auch damit ist es sicher nicht vorbei. Alles, was vor der Pandemie gut funktionierte, wird wiederkommen und die Dinge, die sich während Corona bewährt haben, kommen hinzu.

Das ist so ungefähr die Entwicklung, die ich von diesem frühen Stadium aus prognostiziere: Mehr Wahlmöglichkeiten und die Dinge, die uns früher wichtig waren, kommen stärker zurück als zuvor." 

Steigendes Gesundheits- und Outdoorbewusstsein

"Corona hat uns alle gesundheitsbewusster gemacht, Design wird dem Rechnung tragen müssen. Kurzfristig wird das wahrscheinlich auf Screenings in den Eingangsbereichen hinauslaufen. Viele Unternehmen verfügen bereits über Tech-basierte Sicherheitsinfrastrukuren in ihren Empfangslobbys. Diese werden bald wohl so eingesetzt, dass weniger gescannt werden muss. Langfristig betrachtet glaube ich, dass Gesundheit und Wellness sogar noch weiter an Bedeutung gewinnen werden. Von jedem Unternehmen wird erwartet, dass es über modernste Kommunikationstechnologie verfügt. Modernste Wellness-Technologie wird in Zukunft genauso wichtig sein – Belüftung, Kühlung, Heizung, solche Sachen eben.

Und dort, wo es klimatisch möglich ist, wird es bald viel mehr Möglichkeiten geben, draußen zu arbeiten. Wir bei O+A haben seit Jahren flexible Outdoorflächen in unser Design integriert, allerdings bisher mehr als Lounge- oder Essensbereiche, weniger als tatsächliche Arbeitsflächen."

Flexible Outdoorflächen im Headquarter von McDonalds in Chicago, zum Projekt hier klicken

In Zukunft wird es ein deutlich größeres Bedürfnis danach geben, das Meetings draußen stattfinden. Die Leute wollen mit ihren Laptops raus an die Sonne und an die frische Luft.“

Primo Orpilla

Studio O + A, San Francisco, Mai 2020

Redaktion: Jonas Demel

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