LOQI Activity Office, Berlin

Steckbrief

Ort:
Berlin, Deutschland
Kunde:
LOQI Europe GmbH
Branche:
Naturwissenschaften
Fertigstellungsjahr:
2020
Größe:
1.000 m²
Experten:
Studio Aisslinger (Interior Design)

Design & Storytelling

Farbenfroh, international, nachhaltig. Mit der Neugestaltung der LOQI-Europazentrale in Berlin wurde die lebendige Kreativ-DNA des weltweit tätigen jungen Unternehmens in einen sympathischen Markenauftritt umgesetzt. In einem neuen "luftigen Aktivbüro" werden New Work und Activity-based Work zusammengeführt. Der Arbeitsraum wird wie ein lebendiger, atmender Organismus behandelt, der sich an das Team anpasst, das autonom über das Wann und Wie seiner Arbeit selbst entscheidet.

Das von Tina Bunyaprasit und Werner Aisslinger geschaffene Büro ist ein Raum der anderen Art, eine lebendige und inspirierende Arbeitslandschaft, die den grauen Schematismus der standardisierten Arbeitsplatzeinheiten durchbricht - eine Arbeitsumgebung als ganzheitliches Erlebnis.

Die laufende Bürodiskussion um New Work und Activity-based Work im Jahr 2020 ist durch die Konzeption des Post Pandemic Office in den Hintergrund gedrängt worden. Dieses sozial distanziertere Büro mit seinen "Sechs-Fuß"-Arbeitsplätzen in geschlossener Bauweise, breiteren Korridoren und Türen, speziellen Trennwänden und berührungslosen Bedienelementen ist nicht so sehr eine neue Arbeitsphilosophie, sondern eine technisch getriebene Optimierung eines Gebäudes, das mit berührungslosen Hygiene-Touchpoints ausgestattet ist und die Möglichkeit einer Einbahnstraßen-Wegführung bietet.

Neue Büros, die in naher Zukunft geplant werden, werden die gemeinschaftlichen Coworking Areas weniger betonen. Nichtsdestotrotz brauchen wir alle neue Räume für Interaktion oder Ideengenerierung und Zusammenarbeit.

Die 1000 qm große LOQI-Halle mit offener Deckenstruktur hat sich zu einem komplexen, sich ständig verändernden Konglomerat aus Arbeitsbereichen, Abbrucheinheiten und Arbeitskapseln entwickelt.

Der Kreislauf einer nachhaltigen Produktion und Lebensweise wird weniger als dringende Notwendigkeit denn als Chance gesehen, Recycling und Upcycling nicht nur als Büroalltag, sondern als Gestaltungsimpuls. Markante Stoffvorhänge, transparente Faltschirme, Materialien und Farben moderieren den Übergang zwischen den verschiedenen Arbeitsbereichen.

Am Schreibtisch sitzend oder an einem Stehtisch stehend, an einem runden Tisch über das jüngste Projekt debattierend oder ein inspirierendes Design durchdenkend, abgeschirmt vom Außengeräuschen in der Working Capsule - flexibel und offen passt sich der Raum den jeweiligen Bedürfnissen an, schafft Platz für spielerische Kreativität, für jenen Tanz von Geist und Körper, den man braucht, um neue Ideen zu gewinnen.

 

Die Arbeitsphilosophie von Studio Aisslinger

Kreative Arbeitsphilosophie

Studio Aisslinger ist im „Spatial Design“ Vorreiter bei der Symbiose von Storytelling , narrativen Architekturkonzepten und der Anwendung von Collageprinzipien. Parallel werden im Designprozess aktuell neue Paradigmen verfolgt – „experience architecture“ und „instagramable spaces“ sind programmatische Bausteine in Design-und Planungsprojekten.

Designer als „DJ und Kurator“

Konzeptionell anspruchsvolles „spatial design“ lebt von unterschiedlichsten Einflüssen und gestalterischer und künstlerischer Vielfältigkeit. Die Einbindung von Kunst, Art Buying, Medieninstallationen, Robotik, Materialforschung, Fashion und Storytelling oder Styling verändert die Rolle des Designers im Projekt hin zum DJ oder Kurator eines größeren Kreativteams. Der vormals stille Gestalter oder Architekt wird zunehmend zum Moderator und Regiesseur einer unkonventionellen „Kreativ-crowd“, die, gut orchestriert, symbiotische Designqualität produziert.

„Collage design“

Der urbane Nomade wird sein Dasein immer mehr als Patchwork, Sammelsurium und Wunderkammer seiner eigenen Biografie erleben. Stile und monochrome Designwelten werden zugunsten zufälliger Collagewelten verschwinden - der Designer der Zukunft wird also nicht mehr Stilwelten erschaffen, sondern collagefähige freundliche Alltagsobjekte entwerfen, die sich in Wohnwelten, in denen sich schon Vintageteile, Erbstücke, Designklassiker oder Möbel aus Studentenzeiten tummeln, integrieren lassen. Farben werden eine Renaissance erleben und Designer werden mehr ge- fordert sein virtuos mit Material-und Farbwelten und deren Kombinatorik umzugehen.

Wie das Leben selbst aus den verschiedensten Einflüssen collagiert ist, so wird im studio aisslinger auch bei der Gestaltung von Räumen eine Hybridwelt aus archetypischem neuen Design in Verbindung mit Vintageobjekten, Flohmarktfundstücken und Klassikern so verknüpft, dass sich unterschiedlichste Details zu einer jeweils ungesehenen vibrierend-inspirierenden Atmosphäre verbinden.

„Experience Architecture“

Die sich immer schneller optimierende digitale Welt, die es dem User zunehmend einfacher macht, sich Produkte ins Haus zu holen, ohne vor die Tür gehen zu müssen, spornt die reale analoge Welt, also alle Arten von Architekturen – ob Public Areas, Hotels, Restaurants, Concept Stores oder Shopping Malls dazu an, sich neu zu erfinden und Architekturen so aufzuladen, dass der Besuch solcher Locations zum unvergesslichen Erlebnis wird. Die Zukunft sind Räume, die erstaunen, überraschen, reale, analoge soziale Interaktion ermöglichen und im besten Fall edukativ den Horizont der User und Besucher erweitern.

„Instagramable spaces“

Architekturen und Räume werden in Zukunft dann genutzt werden, wenn sie Socialmedia-kompatibel sind und den Ansprüchen einer digitalen Generation genügen. „Instagramable design“ ist der aktive Umgang mit Blickwinkeln in Gebäuden, die als instagramtaugliche Fotosets in die Gesamtstory des Projektes incorporiert werden.

Hier adaptiert der Designer und Architekt den Blick von Kameraleuten beim Film: Wie können Räume so inszeniert werden, dass spannende Bildkompositionen und Sets entstehen?

„Storytelling“

Narrative Qualitäten spielen bei Produkten oder Räumen eine immer grössere Rolle – ohne Story scheint kein Objekt oder Architekturprojekt mehr zu überleben. Warum ? Die reine funktionale sachliche Ebene von Ideen, die Jahrzehnte im Sinne von „form follows function“ als solitäre Rechtfertigung reichte, ist im digitalen Zeitalter zwar nicht falsch geworden, reicht aber bei weitem nicht mehr aus, um Besucher, Kunden und User zu begeistern. Dabei geht es nicht nur um das steigende Bedürfnis nach detailierteren Informationen rund um das Produkt, wie Herkunftsland, Arbeitsbedingungen der Produzenten oder der CO2 Footprint von Produkten oder die Energiebilanz von Gebäuden, sondern vor allem um emotionale Bezugspunkte zum Gegenständlichen. Im Socialmediazeitalter sucht der User eine immaginäre, persönliche Verbindung zum analogen Objekt oder Raum – also genau das, was er im digitalen Alltag vermisst. Designer und Architekten entdecken hier ein extrem spannendes Spielfeld, das sich mit historischen Bezügen, Materialien, Traditionen, Generationen, Natur und allen sensitiven Bedürfnissen von Menschen auseinandersetzt ohne als Disneyfizierung, also dekorative Kulissenwelt, zu enden.