Office BW Live, München

Steckbrief

Ort:
München, Deutschland
Kunde:
BW Live
Branche:
Events
Fertigstellungsjahr:
2016
Größe:
320 m²
Experten:
Studio Alexander Fehre (Interior Design)

Ein begrenztes Platzangebot hocheffizient ausgenutzt

„bw LIVE” ist eine Münchner Eventagentur, deren gewachsene Mitarbeiterzahl einen Umzug erforderte. Den idealen Standort fand das Unternehmen im Werk3 auf dem ehemaligen Pfanni-Areal, das zu einem Kreativzentrum umgenutzt wurde. Die Lage im angesagten Ostbahnhof-Viertel und der Charme des ehemaligen Industriebaus mit seinen 4,30 m hohen Decken begeisterten die Besitzer sofort. Der Umstand, dass die Fläche für die formulierten Anforderungen eigentlich zu klein bemessen war, wurde zur Herausforderung an den Innenarchitekten. Denn auf einer Fläche von 320 m2 sollten nicht nur 14 Arbeitsplätze, zwei abgeschirmte Büros und ein großer Besprecher für das gesamte Team entstehen, sondern auch eine großzügige Küche untergebracht werden. Denn, dass die Mitarbeiter im Wechsel für das gesamte Team kochen, gehört zur Firmenkultur. Eine weitere Vorgabe war die Übernahme der USM-Bestandsschreibtische und ein großer Wunsch an die Gestaltung, dass diese sich als Gegenpol zur Ware des Unternehmens, dem lauten Eventgeschäft, zurücknehmen sollte.

So präsentiert sich das Büro in einer stark reduzierten Farb- und Materialwelt. Durch deren Nichtfarbigkeit und Schlichtheit wirken die Raumgeometrien mit ihrer kontinuierlichen Betonung der Vertikale umso stärker. Drei Unterzüge und das Stützenraster geben dabei einen natürlichen Grundriss vor, der aber zugunsten der maximalen Platzeffizienz verlassen wird. Der stärkste Ausbruch aus dem Stützenraster bleibt dabei fast unsichtbar: Entlang des zentralen raumquerenden Unterzugs formieren sich ein fast quadratisches Büro und zwei vorgesetzte Kuben zu einer Einheit, die mit ihren raumhohen Wänden in die Höhe greift. Durch die dunkle Farbgebung wird der Block zum visuellen Zentrum des Raums.

 

Um diese Wirkung nicht zu zerstören, wurden Lüftungskanäle und Elektrotrassen aufwendig neu organisiert, damit sie den Weg der geringsten Sichtbarkeit nehmen. Im Inneren der Kuben verstecken sich nicht nur Server, Kopierer und das Archiv, sondern in der hohen Schlucht ist ein Rückzugs- und alternativer Besprechungsort entstanden.

Die mit einem Textil mit abgestepptem Rautenmuster gepolsterten Nischen schirmen die Koje akustisch von der Umgebung ab und schaffen den Rahmen für intime Gespräche.

Der eigentliche Konferenzraum befindet sich direkt hinter dem Mittelblock. Dominiert wird er von der über 5 m langen Tischplatte in leicht elliptischer Form. Altholzfurnier macht den Tisch haptisch erlebbar. Darüber pendeln Flos-Leuchten, deren Zuleitungen zu einer dreidimensio-nalen Schraffur verflochten sind. Vorhänge erlauben zudem die vollständige Verdunklung des Raums.

An den Besprechungsraum reiht sich die Küche, die als einziger Raum eine fast opulente Holzverkleidung schmückt. Aufgesetzte Lamellen betonen wieder die Vertikale und lassen die Front zugleich leicht und luftiger wirken. Die Küchentechnik ist weitgehend hinter der Wand verborgen. Lediglich die Kaffeemaschine erhebt aufgrund ihrer Bedeutung berechtigten Anspruch auf eine große Nische. Gekocht wird am Tresen aus Fenix-Spezialschichtstoff.

Die gegenüberliegende Schrankwand ist aus dem gleichen Material. Die matte Oberfläche geht hier über in eine dunkel verspiegelte Wandecke. Um allen Mitarbeiter einen Essplatz zu bieten, wurde ein Stehtisch entworfen, dessen sieben Einzelelemente leicht versetzt angeordnet sind. Auf die Oberflächen wurde mittels HPL-Sonderdruck ein Muster aufgebracht, sodass man die Tische wie bei einem Puzzle zusammensetzen kann. Die Dynamik des Tisches greift der abgependelte Lampenhimmel darüber auf. LED-Teller mit zwei verschiedenen Durchmessern sind in unterschiedlichen Höhen abgehängt und bilden so eine Lichtwolke. Die Glasfront öffnet sich über großflügelige Pivottüren.

Zur Aufbewahrung kommt in allen Räumen ein eigenes entwickeltes Möbelsystem zum Einsatz. Auch hier entwickeln sich die Stauräume in der Vertikalen, die durch die schlanken Stahlstützen noch betont wird. Die T-Form der Möbel zitiert zudem das sie umgebende Tragwerk. Die Fronten der Möbel sind akustisch wirksam perforiert, die Sichtseiten dunkel gehalten. Das System kommt in den Open-Space-Bereichen als Raumtrenner zum Einsatz oder adaptiert im Konferenzraum das Sideboard.

Das limiterte Platzangebot erfordert ein enges Ineinandergreifen der verschiedenen Funktionsbereiche. So werden die Flurflächen konsequent in das Raumangebot mit einbezogen. Den Empfang markiert ein tief dunkelblauer Tresen mit einem grau getönten Spiegel dahinter.

Neben einer tief abgependelten Leuchte befindet sich ein kleiner Wartebereich.

Im Sinne der gewünschten Schlichtheit des Raumeindrucks sind Boden und Decke hauptsächlich der Funktion gewidmet. Lediglich die zentrale Arbeitsplatzinsel ist mit Teppichboden unterlegt, um diese als Einheit abzugrenzen. Um dem sonst herrschenden Sichtestrich akustisch etwas entgegenzusetzen, sind der Decke Sauerkrautplatten vorgehängt. Weitere Unterstützung erfährt die Raumakustik durch die Vorhänge an den großzügigen Fensterfronten.

Für das Büro von „bw LIVE“ wird ein begrenztes Platzangebot hocheffizient ausgenutzt. Farbe und Material treten hier zugunsten einer ganz auf die Vertikale setzenden Raumgeometrie in den Hintergrund. Opulenz erlaubt sich die Gestaltung nur dort, wo sie damit die Unternehmenskultur fördern kann: In der für Küche, wo gemeinsam gekocht und gegessen wird.