Studien
Das Büro der Zukunft aus Sicht der Generation X & Y

Das Büro der Zukunft? – Gibt es nicht. Weder Berufseinsteiger und Young Professionals der Generation Y noch Mitarbeiter mit langjähriger Berufs- und Büroerfahrung der Generation X haben eine konkrete Vorstellung davon, wie das Büro der Zukunft aussehen wird.

Dies belegen die Befragungsergebnisse einer von Savills und consulting cum laude durchgeführten Studie zum Thema „Office of the Future“. Dennoch legt diese Studie dar, dass sich das Büro der Zukunft verändern wird, ja gar muss. Schließlich führen Megatrends dazu, dass die heutige Bürolandschaft vor Herausforderungen wie der zunehmenden Urbanisierung oder rasend schnell voranschreitenden Digitalisierung gestellt wird. Diese Megatrends und Entwicklungen haben Auswirkungen auf die Lage und den Standort des Büros, das Gebäude an sich und natürlich die Bürofläche sowie den eigentlichen Arbeitsplatz. Hervorzuheben ist, dass die Mitarbeiter, egal ob aus der Generation X oder der Generation Y, in fast allen Punkten sehr ähnliche Ansichten zum Büro der Zukunft haben. Doch wie sehen diese nun konkret aus und was sind die wesentlichen Ergebnisse unserer Studie?

  1. Die Lage und der Standort eines Büros werden in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. Insbesondere Büros in zentraler Lage, welche eine schnelle Anfahrt, sowohl mit dem Auto als auch mit dem ÖPNV oder Fahrrad, ermöglichen, haben Vorteile gegenüber weniger günstig gelegenen Büros. Auch das Angebot zusätzlicher Services, wie Car- und Bike-Sharing oder der Warenlieferung am Tag der Bestellung, die nur in sehr zentralen und hoch verdichteten Räumen nutzbar sind, lassen den zentralen Standort eines Büros gegenüber der Vergangenheit noch wichtiger erscheinen. In einer immer flexibler werdenden Arbeitswelt ist es nicht zuletzt ein urbanes Umfeld, welches durch die Möglichkeit Privates und Berufliches zu verbinden, immer mehr an Bedeutung gewinnt.

  2. Mit dem Aspekt der Urbanität geht auch eine stärkere Mischung verschiedener Nutzungen einher. Sowohl auf Ebene einzelner Objekte als auch von Stadtquartieren. Gemischt genutzte Objekte bieten hier nicht nur Synergieeffekte für die Nutzer sondern auch eine bessere Risikodiversifikation für Investoren. Ist die urbane Infrastruktur im Umfeld der Immobilie jedoch nicht vorhanden, muss sie geschaffen werden. Auf Ebene der Immobilie bedeutet dies, entsprechende Gemeinschaftsflächen wie eine Kantine, Gastronomiebereiche oder begrünte Innenhöfe zu schaffen. Im größeren Maßstab – etwa im Rahmen von Stadtquartieren – ist die Schaffung der Infrastruktur nicht auf einzelne Gebäude beschränkt, sondern kann in einem Gesamtkonzept des Quartiers entsprechend berücksichtigt werden. Dabei gilt: Je schwächer die vorhandene urbane Infrastruktur ist, desto wichtiger ist die Ergreifung entsprechender Maßnahmen zur Schaffung einer solchen.

  3. Die Kombination verschiedener Nutzungen führt zudem zu einer Verringerung des Wegeaufkommens und trägt somit einen ökologischen Nutzen. Aber nicht nur dieser Nachhaltigkeitsaspekt, auch die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Bürogebäude, und folglich mit dem Unternehmen an sich, wird gefördert. Schließlich wünschen sich unsere Befragten ein nachhaltiges Bürogebäude. Darüber hinaus sind eine angenehme Beleuchtung, Klimatisierung sowie zunehmend auch die Mitbestimmung bei der Gestaltung der Bürofläche von Bedeutung. Wird diesem Wunsch entsprochen, können sich die Mitarbeiter mit dem Arbeitsplatz identifizieren und fühlen sich wohl. Dies führt letztendlich zu einer höheren Arbeitsmotivation und -produktivität und ist somit zum Vorteil aller Beteiligten.

  4. Die Digitalisierung hat die Arbeitswelt in den vergangenen Jahren bereits stark verändert. Zukünftig ist Arbeiten von überall möglich: im Büro, im Home Office oder im Café. Berufs- und Privatleben lassen sich so besser vereinbaren. Die Technik schreitet jedoch um ein Vielfaches schneller voran als die meisten Menschen diese Neuerungen und die damit verbundenen Möglichkeiten auch adaptieren. Hier sind sowohl die Industrie als auch die Unternehmen gefordert, ihre Mitarbeiter stärker „an die Hand zu nehmen“ und ihnen die Möglichkeiten und damit verbundenen Chancen aufzeigen und sie dafür zu begeistern.

  5. Die neue Flexibilität der Arbeit wirkt sich auf das Layout der Bürofläche aus. Arbeiten die Mitarbeiter häufiger außerhalb des Büros, lässt sich durch Desk Sharing ein gewisser Teil der Arbeitsfläche einsparen. Gleichzeitig muss jedoch auch neuer Raum für Kommunikation und kreatives Arbeiten innerhalb des Büros geschaffen werden. Fragt man die Mitarbeiter jedoch selbst, wünschen diese sich fast ausnahmslos einen eigenen stationären Arbeitsplatz. Schlussendlich ist es Aufgabe der Unternehmen, einen Mittelweg zwischen kosteneffizienter Flächennutzung und Mitarbeiterzufriedenheit zu finden.

 

Fazit: Der neue Dreiklang der Immobilienwirtschaft lautet „Lage, Flexibilität und Service“

Um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können, ist es nun Aufgabe der Projektentwickler, Mieter sowie Investoren – also aller Akteure, welche mit Büroflächen in Verbindung stehen – auf diese Erkenntnisse adäquat zu reagieren. So müssen Projektentwickler neben dem Einhalten immer größerer energetischer Anforderungen auch eine intelligente Gebäudetechnik konzeptionieren, die den Ansprüchen der einzelnen Mieter insgesamt, aber auch jedem einzelnen Nutzer individuell gerecht wird. Investoren sollten im Ankauf nicht mehr nur auf „Lage, Lage, Lage“ achten. Der altbekannte Dreiklang der Immobilienwirtschaft lautet in Zukunft vielmehr „Lage, Flexibilität und Service“. Unternehmen hingegen müssen die Chancen und Möglichkeiten neuer Bürokonzepte und Office-Technologien deutlich frühzeitiger kommunizieren und alle beteiligten Mitarbeiter wesentlich früher und stärker in Planungs- und Entwicklungsprozesse miteinbeziehen. Nur so kann das Büro der Zukunft zu einem Mehrwert für alle Beteiligten werden.

 

6 Hypothesen zum Büro der Zukunft

Wahrscheinlich hat jeder seine ganz eigene Vorstellung davon, wie das typische Büro in Zukunft aussehen wird. Der eine vermag beim besten Willen nicht zu erkennen, warum sich gegenüber dem heutigen Büro etwas ändern sollte. Der andere kann sich nur schwer vorstellen, dass überhaupt irgendetwas, was Büros heute ausmacht, in Zukunft noch ein sinnvoller Bestandteil derselben sein könnte. Wie immer liegt die Wahrheit vermutlich irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Extremen. Zu Beginn dieses Projektes haben wir uns selbst gefragt: Wie stellen wir uns eine typische Büroimmobilie in der Zukunft vor? Das Ergebnis dieser Überlegungen sind sechs Hypothesen zum Büro der Zukunft, welche sich aus unserer eigenen Wahrnehmung, geprägt durch Studien, Artikel sowie diverse Medien ergeben haben. Im folgenden stellen wir die Hypothesen und die tatsächlich aus der Befragung hervorvergangenen Ergebnisse gegenüber.

 

1. Hypothese: Das Büro der Zukunft ist urban

Das Büro der Zukunft liegt in einem urbanen Umfeld oder kreiert ein solches. In der Nähe befinden sich diverse Nahversorgungseinrichtungen für den täglichen wie auch periodischen Bedarf. Restaurants, Cafés und Kneipen vervollständigen das urbane Umfeld. Aufgrund seiner zentralen Lage und guten Anbindung ist das Büro – unabhängig vom gewählten Verkehrsmittel – schnell erreichbar.

 

2. Hypothese: Das Büro der Zukunft ist nicht nur Büro

Ein ausschließlich als Büro genutztes Objekt gibt es nicht mehr. Vielmehr ist das Büro der Zukunft ein gemischt genutztes Gebäude, das auch andere Nutzungen wie Einzelhandel, Wohnen, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen erlaubt und somit rund um die Uhr genutzt wird.

 

3. Hypothese: Das Büro der Zukunft ist nachhaltig und identitätsstiftend

Das Büro der Zukunft gibt Auskunft über die Werte des Unternehmens und wirkt für die Mitarbeiter identitätsstiftend. Dies drückt sich unter anderem in einer nachhaltigen Qualität sowohl in Bezug auf technische, ökologische und ökonomische als auch soziokulturelle sowie funktionale Aspekte aus. Nur wenn sich die Mitarbeiter mit dem Objekt, der Fläche und dem Arbeitsplatz identifizieren können, fühlen sie sich wohl und können kreative Beiträge leisten und produktiv arbeiten.

 

4. Hypothese: Das Büro der Zukunft ist digital und unterstützt das Arbeiten von überall

Digitalisierung ist ein Megatrend. Folglich verfügt das Büro der Zukunft auch über eine umfassende technische Ausstattung. Der Mitarbeiter ist mit seinen technischen Geräten jederzeit flexibel eingebunden und kann dank moderner Cloud-Systeme von überall auf relevante Daten zugreifen. Die Kommunikation zwischen Mitarbeitern ist immer möglich, unabhängig von deren Standort innerhalb oder außerhalb der Bürofläche. Die Frage des Arbeitsplatzes stellt sich durch die Digitalisierung somit nicht mehr, Arbeiten ist überall möglich, z. B. im Home Office, im Coworking Space, im Café oder im Park.

 

5. Hypothese: Das Büro der Zukunft ist flexibel und multifunktional

Da Arbeit in Zukunft nicht nur im Büro stattfindet, sondern flexibel gestaltet werden kann, steigt der Anteil temporär genutzter Fläche auf der Bürofläche. Modelle wie Desk Sharing ersetzen den stationären Arbeitsplatz. Das Büro der Zukunft ist flexibel und multifunktional. Es gibt Kommunikationsräume, Räume zum konzentrierten Arbeiten (Quiet Rooms), Räume für temporäre Projektarbeit für Teams verschiedener Größe, Meeting-Räume, Telefon- und Videokonferenzräume, als auch Fitness-/Ruhe-/Schlafräume zur geistigen Erholung sowie zum körperlichen Ausgleich. Somit passt sich das Büro an die verschiedenen Arbeitsweisen der Mitarbeiter individuell an und bietet für jeden Arbeitsschritt eines Projektes die optimalen Rahmenbedingungen. Dies ist erforderlich, da Standard-Bürotätigkeiten weitestgehend automatisiert erledigt werden und der Mensch vor allem Kreativ- und Wissensarbeit leistet. Das Layout und die Ausstattung der Bürofläche müssen somit optimale Arbeitsbedingungen für die individuellen Bedürfnisse jedes Mitarbeiters schaffen.

 

6. Metahypothese: Gen X und Gen Y haben (gänzlich) unterschiedliche Vorstellungen vom Büro der Zukunft

Der Generation Y ist die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben sehr wichtig. Sie fordert mehr Zeit für Freunde, Partnerschaften und für sich selbst ein als die Generation X. Kreative und motivierende Arbeitsinhalte stehen im Vordergrund. Die Arbeit muss sinnvoll sein und Spaß machen. Die Einteilung der Arbeitszeit soll flexibel sein und jeder Mitarbeiter soll selbst entscheiden können, ob er im Büro arbeitet, im Café oder Biergarten. Die Generation Y benötigt außerdem ein flexibles, inspirierendes Arbeitsumfeld, um ihr volles Potenzial abrufen zu können. Der eigene Schreibtisch und die tägliche Anwesenheit im Büro werden überwiegend abgelehnt. Darüber hinaus spielen die individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes und der Wohlfühlfaktor eine wichtige Rolle. Die Generation X hingegen war und ist es gewohnt, „ins Büro“ zu gehen und dort zu arbeiten. Die Arbeitsbedingungen werden als gegeben akzeptiert und man konzentriert sich primär auf die Erledigung seiner Arbeitsaufgaben. Beruf und Privatleben werden klar voneinander getrennt. Die persönliche Karriereplanung hat einen höheren Stellenwert als das Bedürfnis, sein Arbeitsumfeld nach eigenen Vorstellungen mitgestalten zu können.

 

Die vollständige Studie finden Sie hier.

Photos: Savills Deutschland/ thinkstockphotos

Der Artikel ist ein Gastbeitrag von Savills Deutschland

 

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