Serie Arbeit und Corona
Flexibilisierung des Raums

Teil 10 der Serie: Das Stuttgarter Architekturbüro Scope sieht durch Corona eine Funktionsverschiebung des klassischen Büros beschleunigt. Hin zu einem Ort, der verstärkt der sozialen Begegnung und kreativen Gemeinschaftsarbeit dient. Dies eröffne der Architektur neuen Gestaltungsspielraum. Auch eine Renaissance des Treppensteigens hält Scope für eine mögliche Nebenwirkung der Pandemie.

Arbeitsplatzgestaltung in Zeiten von Covid 19
Wohl keiner von uns hätte sich zu Beginn des Jahres vorstellen können, wie umfassend sich unser Leben schon in wenigen Wochen ändern würde. Die Pandemie hat sich in tief unseren kollektiven Alltag eingegraben und längst ist klar: So wie damals auf der Weihnachtsfeier im fernen Dezember wird es sobald nicht mehr. Und auch in unserem Arbeitsleben bleibt bis auf Weiteres kein Stein auf dem anderen. Wie wird sich die Gestaltung von Arbeitsplätzen in Zeiten von und nach Corona wandeln? Und welche Veränderungen werden bleiben? Diese Fragen stellten wir einer Reihe der wichtigsten Designer und Innenarchitekten in Deutschland und der Welt. Die Antworten veröffentlichen wir ab sofort in unserer Serie „Workplace design in times of Corona“

„Die Corona Krise beschleunigt einen Trend den wir schon lange als theoretische Leitlinie unserer Entwürfe ansehen: Die Umdeutung des Büros vom rein sachbezogenen Arbeitsort hin zu einem Ort der sozialen Interaktion. In Zukunft werden wir noch genauer unterscheiden, weshalb wir ein Büro aufsuchen und zu welchem Zweck. In Zeiten digitaler Transformation kann dieser Zweck nur der kommunikativen und kollaborativen Interaktion dienen. 

WDF 49, Walldorf: Die gläserne Fassade lässt Einblick auf die offene Treppengestaltung zu

Physische Begegnung als Innovationstreiber

Das Büro verliert seine Bedeutungshoheit als Arbeitsstätte und entfernt sich damit auch immer mehr vom traditionellen Grundriss. Büros müssen zukünftig nicht nur soziale Begegnungsstätten werden, sondern auch Kommunikation und Kollaboration fördern und provozieren. Die physische Begegnung als Innovationstreiber und die damit verbundenen Arbeitsmethoden werden an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklung bietet auch in der Architektur Chancen und generiert Freiheiten in der Gestaltung dieser Orte. 

Neue Kolloborationskultur

Der Trend zur Flexibilisierung des Raums wird zunehmen, um den Anforderungen einer sich verändernden Kollaborationskultur zu begegnen. Dieses Prinzip haben wir bereits im Innovation Center in Potsdam in einem Prototyp erprobt, welcher mittlerweile zum Serienprodukt gereift ist. 

In den Design Thinking und Arbeitsflächen hängen große Whiteboards von der Decke ab und lassen sich verschieben, dadurch stehen die Räume in ständigem Wandel und ermöglichen mehreren Arbeitsgruppen in unterschiedlichster Größe das Zusammenarbeiten. Die Whiteboards „flomo“ können außerdem separat als Arbeitsmedium genutzt werden, da sie leicht und flexibel handhabbar sind und problemlos transportiert werden können. 

Innovation Center 2.0, Potsdam: Whiteboards

Begegnung und Kommunikation provozieren

Zudem kommt der Erschließung eine immer größere Rolle zu. Treppen sind nicht mehr nur verbindende Elemente, sondern Katalysatoren von Begegnung und Kommunikation. Der Aufzug wird immer mehr in den Hintergrund treten und Erschließungskonzepten Platz machen, die Begegnung und Kommunikation provozieren. In unseren Konzepten ist die Erschließung ein zentrales Element an das sich Kollaborations- und Kommunikationszentren anschließen wie Nervenbahnen an die Wirbelsäule. Die Treppe wird zur gebauten Metapher für Kommunikation.“

Mike Herud, Geschäftsführer SCOPE

SCOPE Architekten GmbH, Stuttgart, Juni 2020

Credits

Statement und Projekt-Beispiel: SCOPE Architekten GmbH
Fotos: Zooey Braun

Redaktion: Jonas Demel

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